Schule

Kinder aus vielen Ländern feiern gemeinsam Fastnacht
im Feldberg-Kindergarten in der Mainzer Neustadt, 1982.
[Bild: Hedwig Brüchert]
Gastarbeiterkinder im Hof der Fürstenbergerhofschule
in der Mainzer Altstadt, um 1974.
[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]
Allgemeine Zeitung vom 27.5.1974 (Vergrößerung einer Notiz). Man sieht; der Demonstration von Italienern in Mainz für die Bildungschancen ihrer Kinder wurde 1974 offensichtlich in der Presse keine besondere Bedeutung beigemessen.[Bild: VRM Archiv Mainz]

„Meine Eltern kümmerten sich nicht um meine schulische Ausbildung, da sie zu jener Zeit arbeiten mussten und immer noch den Gedanken an eine Rückkehr nach Marokko im Hinterkopf hatten.“ (Tochter von marokkanischen Zuwanderern)

Im Jahr 1971 lebten 1.622 Kinder aus Migrantenfamilien in Mainz, davon war rund die Hälfte unter sechs Jahre alt. Als zentral für die Integration erkannte die Stadt schon bald die Bildungsmöglichkeiten für die Kinder. Die ausländischen Eltern zeigten sich anfangs sehr zurückhaltend beim Anmelden ihres Nachwuchses in deutschen Kindergärten, doch besuchten im Jahr 1983 schließlich rund 60% diese Vorschuleinrichtungen.

Für die über Sechsjährigen strebte die Schulbehörde eine frühzeitige Eingliederung in die deutschen Klassen an, bei zusätzlicher Förderung der Muttersprache. In ein- bis zweijährigen Vorbereitungsklassen sollten Kinder mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache für den Regelunterricht fitgemacht werden. 1971 gab es in Mainz zehn solcher Klassen für italienische sowie je eine Klasse für spanische, portugiesische und griechische Kinder; hierbei waren muttersprachliche Lehrer eingesetzt. Eine jugoslawische Lehrkraft betreute Kinder ihres Heimatlandes in den Regelklassen. Im Schuljahr 1973/74 wurde erstmals auch eine türkische Vorbereitungsklasse eingerichtet, deren Zahl dann rasch zunahm. Anfang der 1980er Jahre gab es 38 Vorbereitungsklassen in Mainz, davon 16 für italienische und 15 für türkische Kinder.

Die Integration in die deutschen Klassen erwies sich oft als schwierig. Viele ausländische Eltern wollten ihre Kinder möglichst lange in den muttersprachlichen Vorbereitungsklassen lassen, da sie eine Rückkehr in ihr Heimatland planten. Am 25. Mai 1974 demonstrierten rund 2.000 italienische Eltern in Mainz für bessere Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder.

Ein großes Problem stellte auch die Durchsetzung der Schulpflicht dar. In einigen Stadtteilen, wie der Neustadt und der Altstadt, stieg der Ausländeranteil in den Hauptschulen im Schuljahr 1981/82 stark an, so in der Goetheschule auf über 40%. Etwa zwei Drittel der Kinder verließen die Schule ohne Abschluss und hatten große Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden. Nur Wenige schafften den Übergang an höhere Schulen. Noch 1983 betrug der Ausländeranteil an Realschulen nur 2 bis 3%, an Gymnasien nur knapp 2% Dies hat sich inzwischen grundlegend geändert – 2016 besuchte ein Drittel der Mainzer Kinder mit Migrationshintergrund ein Gymnasium oder eine Integrierte Gesamtschule.