Arbeiten in Mainz

Begehrtes Ziel – ein Arbeitsplatz bei Schott, 1974.[Bild: Stadtarchiv Mainz]
Der Italiener Franco Arata als Kontaktmann für die ausländischen Beschäftigten beim Jenaer Glaswerk Schott u. Gen., 1966.[Bild: Schott Werkzeitschrift 1966]
[Bild: Schott Werkzeitschrift 1965]

„Wir haben gearbeitet von morgens bis abends. […] Unser Ziel war immer, so schnell wie möglich zurückzukehren.“
(Katica Vraneša)

Wirtschaftliche Gründe spielten in den 1950er bis 1970er Jahren bei der Zuwanderung nach Deutschland eine entscheidende Rolle. Viele „Gastarbeiter“ erhofften sich, aufgrund höherer Löhne in Deutschland Geld ansparen zu können, um nach einiger Zeit wieder zu ihrer Familie in die Heimat zurückkehren zu können.

Einige Unternehmen wie das Jenaer Glaswerk Schott stellten zahlreiche Ausländer ein – bis zu einem Viertel der Belegschaft. Der Personalwechsel war anfangs hoch – z. B. verließen 1960 40% der „Gastarbeiter“ das Jenaer Glaswerk noch im Jahr ihrer Einstellung. So nahm Schott noch 1964 an, „daß die Ausländer naturgemäß nach einiger Zeit wieder in ihre Heimat zurückkehren.“ Auch das Ausländerrecht sah befristete Aufenthalte vor.

Bestimmten Schwierigkeiten versuchten die Arbeitgeber durch betriebliche Maßnahmen zu begegnen. So boten sie ihren ausländischen Arbeitnehmern Mehrbettzimmer in Wohnheimen an, z. B. das Jenaer Glaswerk im „Sammellager Rheinallee“ oder Werner & Mertz auf der Ingelheimer Aue. Später stellten sie zum Teil auch Wohnungen zur Verfügung. Dolmetscher bzw. Muttersprachler, die Deutsch sprachen, sollten ihren Landsleuten helfen, Arbeitsanweisungen zu verstehen. Da viele Migranten zunächst ohne Familien nach Mainz kamen, boten einige Betriebe Freizeitveranstaltungen an, z.B. Filmabende in der Heimatsprache oder Weihnachtsfeiern.

Im Allgemeinen war es nicht schwierig für die Migranten/-innen, einen Arbeitsplatz zu finden. Aus ihrer Heimat brachten sie häufig berufliche Erfahrungen mit. In der Gastronomie und im Tourismus fanden einige von ihnen ihr Auskommen und erwarben oder verbesserten ihre Deutschkenntnisse.

Die ersten Jahre in Deutschland werden als stark von Arbeit geprägt erinnert – weit über eine 40-Stunden-Woche hinaus. Überstunden, Wochenendarbeit oder Zweitjobs waren keine Seltenheit. Häufig blieb wenig Zeit für andere Aktivitäten.