Herausforderung Wohnungssuche

Blick in die Küche einer Gastarbeiterfamilie, um 1974.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]
Segnung einer Wohnung im Wohnheim für ausländische Arbeitnehmer der Jenaer Glaswerke Schott & Gen. am 11. Dezember 1971.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Seib]
Gastarbeiterwohnung in Mainz, um 1974.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]
[Bild: Wiss. Stadtbibliothek Mainz]

„Das schlimmste Erlebnis in Deutschland war die Wohnungssuche.“ (Yilmaz Atalay)

Als die ersten „Gastarbeiter“ ab Ende der 1950er Jahre in größerer Zahl nach Mainz kamen, gingen sie davon aus, dass sie sich nur für eine befristete Zeit in Deutschland aufhalten würden. Deshalb blieben ihre Familien im Heimatland. Die Arbeiter, fast ausschließlich Männer, wurden meist in Sammelunterkünften untergebracht, die vor allem von den größeren Unternehmen in der Nähe des Werksgeländes errichtet wurden.

1972 lebten noch immer rund 20% der ausländischen Arbeitskräfte in Mainz in solchen Wohnheimen. Zu diesem Zeitpunkt waren dies vor allem Türken, in geringerer Zahl auch Jugoslawen. Mehr als 50% der Bewohner gaben bei Befragungen an, mit der Unterbringung nicht zufrieden zu sein. Hierbei spielte sicher die fehlende Privatsphäre in den Mehrbettzimmern eine wichtige Rolle. Gleichzeitig empfanden viele diese Unterbringung zunächst als eine Erleichterung, weil sie sich gegenseitig unterstützen und in ihrer Muttersprache miteinander sprechen konnten.

Fast alle Migranten strebten nach einiger Zeit jedoch an, eine eigene Wohnung oder ein möbliertes Zimmer zu finden, denn längst war in vielen Fällen aus dem nur befristet geplanten Aufenthalt ein Dauerarbeitsverhältnis geworden. Dies wiederum führte oft zu dem Wunsch, auch die Familie nach Deutschland zu holen. Am häufigsten lebten ausländische Arbeitskräfte der Altersgruppe um 35 Jahre in einer eigenen Wohnung, während sehr junge Männer oder die über 50-Jährigen öfter in den Sammelunterkünften verblieben.

Ein Problem bestand darin, dass die zur Verfügung stehenden Wohnungen meist viel zu klein waren. 35 bis 40% der Migranten lebten in Ein-Zimmer-Wohnungen, oft ohne Küche, die übrigen meist in Wohnungen mit nur zwei Räumen und einer Küche. Gleichzeitig mussten sie in der Regel eine unverhältnismäßig hohe Miete zahlen. Die ausländischen Familien waren auf dem Wohnungsmarkt stark benachteiligt, da viele Hausbesitzer nicht an sie vermieten wollten.

Bei der Wohnverteilung auf die Mainzer Stadtteile zeigten die einzelnen Nationalitätengruppen unterschiedliche Vorlieben. Während die Italiener das innerstädtische Gebiet der Altstadt, zum Teil auch der Neustadt und einige Gegenden von Mombach bevorzugten, wohnten die Spanier vor allem nahe des Mombacher Industriegebiets und des Mainzer Hafens. Griechen siedelten sich ähnlich wie die Italiener am liebsten in der Alt- und Neustadt, außerdem in Gonsenheim an. Die Türken hingegen wohnten vorwiegend in der nordöstlichen Neustadt, an der Mombacher Straße und in den Ortskernen der Vororte Mombach, Finthen, Hechtsheim und Weisenau. Die bevorzugte Wohngegend der Jugoslawen waren der Ortskern von Bretzenheim, die Innenstadt und die südöstliche Neustadt.