Mainzer „Gastarbeiter“ der ersten Generation – Einführung

Legitimationskarte von Ayla Akyildiz, 1968.[Bild: Privat]
Broschüre „Ausländische Arbeitnehmer in Mainz“, Stadtverwaltung Mainz 1974.[Bild: Wiss. Stadtbibliothek Mainz]
Ausstellung im Mainzer Rathaus zum Thema „Ausländer in Mainz“ (1978). Die Titel der Broschüre von 1974 und der Ausstellung von 1978 zeigen, dass bis in die frühen 1970er Jahre nur die Zuwanderung von Männern wahrgenommen wurde, obwohl einige bereits mit ihren Familien in Mainz lebten. Erst nach dem Anwerbestopp im Jahr 1974 widmete sich die Stadtverwaltung auch den Problemen ausländischer Familien (z.B. bei der Beschaffung von Wohnungen).[Bild: Wiss. Stadtbibliothek Mainz]

Auch wenn Rheinland-Pfalz im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht als „Einwanderungsland“ betrachtet wird, so kam es ab Mitte der 1950er bis in die frühen 1980er Jahre durch die Anwerbung von Arbeitsmigranten, sogenannten Gastarbeitern, auch hier zu einer starken Zuwanderung. Allerdings konzentrierte sich der Zuzug auf die großen Städte. Deshalb ist es besonders interessant, dieses Thema am Beispiel der Stadt Mainz zu untersuchen.

Die ersten offiziellen „Gastarbeiter“ kamen im Jahr 1959 nach Mainz. Von den Befragten kamen allerdings nicht alle über die Anwerbeabkommen. Stattdessen reisten sie alleine oder mit Verwandten nach Deutschland ein und suchten sich eine Arbeit vor Ort. Übliches Verkehrsmittel war der Zug.

In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Migrantinnen und Migranten, abgesehen von einzelnen Jahren während Konjunkturkrisen, kontinuierlich zu. Ende 1980 betrug der Ausländeranteil hier bereits 10,8%. Italienische Staatsbürger stellten in Mainz bis in die 1970er Jahre annähernd die Hälfte der Migranten. Heute sind türkische Staatsangehörige mit gut 20% die größte Gruppe. Über ein Viertel der heutigen Mainzer Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund.

Vergleichsweise früh, d.h. ab den späten 1960er Jahren, begann man in Mainz, ebenso wie in anderen Kommunen mit einem hohen Anteil an ausländischer Bevölkerung, über die Auswirkungen eines langfristigen Verbleibs in der Bundesrepublik nachzudenken.

Eines der Hauptprobleme für die erste „Gastarbeiter“-Generation stellte der Mangel an zumutbarem Wohnraum dar. Wie in anderen Städten kam es zu einer Konzentration in Zentrums- sowie Industrienähe. Private Kontakte zur einheimischen Bevölkerung gab es eher selten, erschwert durch mangelnde Sprachkenntnisse und kulturelle Unterschiede. Fehlende Bildungschancen für die Kinder der „Gastarbeiter/-innen“ stellten ebenfalls eine hohe Hürde auf dem Weg zur Integration dar.