Integration – die erste und die dritte Generation

Ausländische Frauen und Kinder beim Picknick auf dem Goetheplatz, um 1987.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]
Im Lebensmittelladen von Edeltrud Nespeca, Kötherhofstraße, 1974.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]

„Sie kommen in ein Land, das Ihnen wohl alle Türen öffnen soll, aber wie soll dies funktionieren, wenn man kein einziges Wort der Sprache spricht, niemanden kennt und mit einer völlig fremden Kultur konfrontiert wird?“ (Ceren Yilmaz)

Sind die „Gastarbeiter“ der ersten Generation gut integriert? Fühlen sie sich als Deutsche? Wie steht es um ihre Kinder und Enkelkinder? Wie gingen sie mit Fremdenfeindlichkeit um?

Die Mehrzahl der befragten Migrantinnen und Migranten hat persönlich wenig Erfahrung mit Diskriminierung aufgrund ihrer nationalen Zugehörigkeit gemacht, obwohl es immer wieder ausländerfeindliche Aktionen gab. Allerdings sehen fast alle von ihnen heute einen Trend zur Verstärkung von Fremdenfeindlichkeit in Deutschland.

Überraschend ist, dass die meisten der Interviewten bei ihrer Ankunft in Deutschland kaum über deutsche Sprachkenntnisse verfügten. Meist absolvierten sie keinen Deutschkurs, sondern lernten die Sprache bei der Arbeit. Als eine große Schwierigkeit beschreiben viele die Wohnungssuche. Auch waren sie häufig von ihren Kindern getrennt, die zum Teil bei ihren Großeltern im Heimatland blieben. Migrantinnen und Migranten mit deutschen Partnern hatten es in verschiedenen Belangen leichter.

In der Regel war es ihr Ziel, Geld zu verdienen, da ihre Arbeit in Deutschland besser bezahlt wurde als in ihrer Heimat. Fast immer bestand über Jahrzehnte der Wunsch und der Plan, wieder zurückzukehren. Im Gegensatz zu vielen anderen, die zurückgingen, blieben die Befragten jedoch in Deutschland. Regelmäßige Reisen in ihr Herkunftsland hielten die Bindungen aufrecht.

Häufig fühlen sie sich heute sowohl ihrem Heimatland als auch Deutschland verbunden, letzterem zum Teil sogar mehr. Kaum jemand bereut es, zugewandert zu sein. Allerdings kam oft zur Sprache, dass sie in ihrer ursprünglichen Heimat heute als „die Deutschen“ wahrgenommen werden.

Die dritte Generation, die durch die Schülerinnen und Schüler repräsentiert wird, steht anderen Herausforderungen gegenüber. Sie drücken sich im Deutschen mühelos aus, doch beherrschen nicht alle die Sprache des Herkunftslandes ihrer Familie. Sie sind offen für andere Bräuche, da sie selbst in zwei Kulturen aufgewachsen sind. Die meisten von ihnen haben einen deutschen Pass.