Die Bierbrauerei zur Sonne

Grafik von Heinz Leitermann.[Bild: Stadtarchiv Mainz]
Ernst-Ludwig Kohl, Besitzer der Brauerei "Zur Sonne" mit dem wiederaufgelegten "Zwickelbier" nach altem Hausrezept, 15.03.1988.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]
Bierbrauerei "Zur Sonne" (Aufnahme 1987). Der Betrieb der Brauerei wurde 1991 eingestellt. Hier entstand der "Wohnpark zur Sonne".[Bild: Stadtarchiv Mainz, Foto Klaus Benz]

1568 wurde mit „Petter Eckel“ erstmals ein Bierbrauer im Eckhaus an der Betzelsgasse erwähnt. 1687 wurde dieses Brauhaus schon „Die Sonn“ genannt. Noch im 19. Jahrhundert braute man hier nur für den eigenen Ausschank. Das Bier konnte nur im Winter produziert werden und wurde zur kühlen Lagerung in die Keller der Kupferbergterrasse transportiert. 1897 verlegten die damaligen Besitzer, Jakob Schmitt Söhne, die Brauerei auf ein größeres Gelände an der Gonsenheimer Hohl. Franz Schmitt soll als erster Brauer in Mainz Bier in Flaschen abgefüllt haben.

1905 erwarb der gelernte Mainzer Bierbrauer Philipp Mayer das Unternehmen. Er leitete den Betrieb mit großem Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1935, danach führten seine Geschwister die Brauerei weiter. Zu dieser Zeit nahm allerdings der Druck auf jüdische Unternehmer von Jahr zu Jahr zu, ihre Firmen an „Arier“ zu übergeben. Im Herbst 1938 musste Familie Mayer die Sonnenbrauerei an die Getreide- und Futtermittelhandlung August Kohl verkaufen.

Die Brauerei firmierte nun unter „Bierbrauerei zur Sonne Gebr. Kohl“. Im August 1942 wurde die Gastwirtschaft „zur Sonne“ in der Betzelsgasse bei einem Luftangriff zerstört. 1944 erlitt auch die Brauerei schwere Beschädigungen. 1948 konnte wieder das erste Bier gebraut werden. 1955/56 eröffnete man auch die beliebte Brauereigaststätte in der Betzelsgasse wieder. Im Jahr 1966 erreichte die Brauerei den höchsten Bierausstoß ihrer seitherigen Geschichte. Sie belieferte zahlreiche Vertragsgaststätten in Mainz und Region.

Ab den 1970er Jahren machten es ein verschärfter Wettbewerb und ein starker Rückgang des Bierkonsums den Privatbrauereien zunehmend schwer zu überleben. Im Juli 1990 verkauften die Gebrüder Kohl die Sonnenbrauerei – das letzte verbliebene Mainzer Brauhaus – an die FKS Unternehmensberatung, die sie trotz gegenteiliger Zusicherungen ein Jahr später stilllegte. Die Kirner Privatbrauerei Ph. u. C. Andres übernahm die Biermarken, Rezepturen, den Kundenstamm sowie die Bestände an Hopfen und Malz, jedoch nicht die Brauereigebäude. Diese wurden Ende 1993 abgerissen, um Platz für Wohnbebauung zu schaffen.

Sonnenbrauerei, 1983.[Bild: Stadtarchiv Mainz]

Autorin: Hedwig Brüchert