Die Brauerei zum Birnbaum

Brauhaus zum Birnbaum (Birnbaumgasse 5), um 1920.[Bild: Stadtarchiv Mainz, Quelle Fritz Metzke]
[Bild: Stadtarchiv Mainz]
Oktoberfest im Brauhaus "Zum Birnbaum", 1927. Im Vordergrund: Ehepaar Franz Geier (Brauereibesitzer), Josef Moerlé.[Bild: Stadtarchiv Mainz]

Das Gebäude „Zum Birnbaum“ wurde im Jahr 1667 errichtet und stand in der Birnbaumsgasse 5. In der Stadtaufnahme (Steuerliste) von 1785/1786 sind als Bewohner dieses Hauses u.a. die Bierbrauer Andres Bayer und Ludwig Victor genannt. Auch im ersten Adressbuch der Stadt Mainz von 1800 ist das „Bierhaus zum Birnbaum“ (französisch: „au poirier“) erwähnt. Nach häufigem Wechsel war von 1881 bis 1901 Michael Geier der Besitzer der Gasthausbrauerei, von 1902 bis 1916 dann sein Sohn Franz Geier. An Biersorten stellten sie „Lagerbier“, „Helles Lagerbier“, „Bayrisch Bier“ und „Schützenfestbier“ her. Im Ersten Weltkrieg wurde der Braubetrieb eingestellt.

Berühmtheit erlangte der „Birnbaum“ vor allem durch Michael Geier. Er hatte 36 Kinder aus zwei Ehen. Die erste Frau starb bei der Geburt des 18. Kindes; daraufhin heiratete er die jüngste Schwester seiner Frau, die dem Braumeister ebenfalls 18 Kinder gebar. Das „Brauhaus zum Birnbaum“ war auch Gründungslokal des „Birnbaumclubs“ von 1899, der als Vorläufer des „Mainzer Carneval-Clubs“ (MCC) gilt.

Ab 1927 wurde das Gebäude, das wegen der kunstvollen Schnitzereien an den Eckpfosten als eines der schönsten Fachwerkhäuser von Mainz galt, durch die neuen Eigentümer Gebrüder Hock (Schwanenbrauerei Groß-Ostheim) wieder als Gaststätte genutzt. Während des ersten schweren Luftangriffs auf Mainz vom 12./13. August 1942 wurde das prächtige Anwesen und mit ihm die gesamte Umgebung ein Raub der Flammen.

Der MCC hat vor dem Städtischen Altersheim in der Altenauergasse zur Erinnerung an seine Gründung im nahegelegenen „Birnbaum“ eine Tafel angebracht und einen Birnbaum gepflanzt.

Brauhaus zum Birnbaum, Postkarte um 1935 (nach einem Motiv von Alfred Mumbächer).[Bild: Stadtarchiv Mainz, Postkarte Verlag Ludwig Feist]

Autor: Thomas Nonnenmacher